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"Tower. A Bright Day." von Jagoda Szelc überzeugt die Jury

Zum zweiten Mal wurde im Rahmen von filmPOLSKA eine herausragende Regie-Leistung im Wettbewerb um innovatives junges polnisches Filmschaffen gekürt und mit 1.500 EUR ausgezeichnet. 

Die Jury bestehend aus Ricardo Brunn, Katja Petrowskaja und Robert Thalheim verleiht den diesjährigen Preis an Jagoda Szelc für ihr Debütfilm „Tower. A Bright Day.“ / „Wieża. Jasny dzień.“.

Lobend erwähnt wird von den Juroren der Film "Photon" von Norman Leto.

JURYBEGRÜNDUNG:

Tower. A Bright Day
von Jagoda Szelc

Die Fahrt auf das Land dauert eine halbe Ewigkeit und kommt einer Flucht gleich, die auch im Ankommen kein Auf- und Durchatmen finden wird. Ein Übertritt ins Erwachsenenalter soll gefeiert werden, in einem Haus, das selbst im Unfertigen verharrt. Ein Geheimnis zwischen zwei Schwestern bedroht die instabile Ordnung einer Familie, in der das Ungewisse, Ungelöste und Unauflösbare zum Dauerzustand erklärt wird und authentisches Leben nur an der schönen Esstischoberfläche noch möglich scheint.

Nichts bietet wirklich Halt in Jagoda Szelcs Debütfilm „Tower. A Bright Day“, das zu Beginn etablierte Regelwerk nicht, die oftmals subjektive Kamera nicht und schon gar nicht das Genre. Der Alltag und das Übernatürliche fließen ineinander, bedrohliche Kräfte brechen sich Bahn, machen aus dem Familiendrama im fließenden Übergang zum Mystery einen surrealen Albtraum. Lösung besteht in „Tower. A Bright Day“ in der Auflösung, Rettung im Verschwinden, nur Hoffnung gibt es am Ende des sonnigen Tages für Niemanden.

Mit großem Gespür für Zwischentöne und Zustände des Transitorischen erschafft die Regisseurin in der Opposition zweier Schwestern psychologisch ausgereifte und in ihren Handlungen nachvollziehbar Charaktere, denen im sensiblen Schauspiel und brillanten Dialogen immer ein Geheimnis bleibt und damit den schleichenden Zerfall nicht nur einer Familie in magischen Bildern beschreibt.

Für ihre Einfühlsamkeit und Präzission verleiht die Jury den filmPOLSKA Preis an Jagoda Szelc, welcher zugleich auch Ausdruck für das mit Spannung erwartete zukünftige Schaffen dieser Filmemacherin ist.   

Die Fahrt auf das Land dauert eine halbe Ewigkeit und kommt einer Flucht gleich, die auch im Ankommen kein Auf- und Durchatmen finden wird. Ein Übertritt ins Erwachsenenalter soll gefeiert werden, in einem Haus, das selbst im Unfertigen verharrt. Ein Geheimnis zwischen zwei Schwestern bedroht die instabile Ordnung einer Familie, in der das Ungewisse, Ungelöste und Unauflösbare zum Dauerzustand erklärt wird und authentisches Leben nur an der schönen Esstischoberfläche noch möglich scheint.

Nichts bietet wirklich Halt in Jagoda Szelcs Debütfilm „Tower. A Bright Day“, das zu Beginn etablierte Regelwerk nicht, die oftmals subjektive Kamera nicht und schon gar nicht das Genre. Der Alltag und das Übernatürliche fließen ineinander, bedrohliche Kräfte brechen sich Bahn, machen aus dem Familiendrama im fließenden Übergang zum Mystery einen surrealen Albtraum. Lösung besteht in „Tower. A Bright Day“ in der Auflösung, Rettung im Verschwinden, nur Hoffnung gibt es am Ende des sonnigen Tages für Niemanden.

Mit großem Gespür für Zwischentöne und Zustände des Transitorischen erschafft die Regisseurin in der Opposition zweier Schwestern psychologisch ausgereifte und in ihren Handlungen nachvollziehbar Charaktere, denen im sensiblen Schauspiel und brillanten Dialogen immer ein Geheimnis bleibt und damit den schleichenden Zerfall nicht nur einer Familie in magischen Bildern beschreibt.

Für ihre Einfühlsamkeit und Präzission verleiht die Jury den filmPOLSKA Preis an Jagoda Szelc, welcher zugleich auch Ausdruck für das mit Spannung erwartete zukünftige Schaffen dieser Filmemacherin ist.  


Lobende Erwähnung

Photon
von Norman Leto

Es ist das vielleicht wichtigste Thema unserer Zeit. Doch der Regisseur Norman Leto macht aus der Frage, wohin die Digitalisierung und Entwicklung Künstlicher Intelligenz führen wird, nicht den üblichen Mensch-Maschine-Gegensatz. Ganz im Gegenteil. Ohne zu werten bettet er die Entwicklung in einen evolutionären Kontext ein, in dessen Zentrum immer die Bestrebung ein Netz oder Netzwerk zu bilden steht, seien dies nun einzelne Atome oder gar ganze Galaxien. Und dass dieses Netzwerk mit schier unvorstellbarem Geschick und sehr viel Zufall wuchert und expandiert, daran lässt auch der Regisseur mit seinem wuchernden, tumorartigen Film keinen Zweifel. Präzise recherchiert findet Leto Bilder für Dinge, die keine Bilder besitzen, weil sie dem Unvorstellbaren und damit Unzugänglichen angehören. Sein Kino ist Wagnis, das an der Grenze zum Wahnsinn operiert und genau deshalb das Denken anregt.