Emmanuelle Seigner

Essential Killing

Als Skolimowski 2010 in Venedig seinen Spielfilm Essential Killing vorstellte (und den Großen Preis der Jury gewann), war die Überraschung groß. Der 72-jährige Regisseur, der sich in seinen filmischen Schaffenspausen intensiv der Malerei gewidmet hatte, katapultierte sich mit dieser Arbeit zurück in die erste Riege der europäischen Autorenfilmer. Aus seinem Film spricht deutlich die Empörung über Menschenrechtsverletzungen, die im Windschatten des „Kriegs gegen den Terror“ verübt wurden. Skolimowski siedelte das Geschehen in einem anonymen osteuropäischen Land an. Nach Verschleppung und Folter kann Mohammed fliehen. Er schlägt sich tagelang durch eine tief verschneite Landschaft. Ständig bedroht von einer lebensfeindlichen Natur und seinen Verfolgern, wird er seinerseits zur tödlichen Bedrohung für andere. Essential Killing beschreibt die Kette von Gewaltakten jenseits politischer Parteinahme phänomenologisch als unheilvolle Eigendynamik. Skolimowski findet großartige, weil nachhaltig verstörende, Szenen und Bilder. Der als extrem kompliziert geltende Vincent Gallo spielt die Haupt- rolle des flüchtigen Taliban durchweg präzise und mit teilweise fast beängstigender Empathie. 

Kategorie:
Retrospektive
Polnischer Titel:
Essential Killing
Deutscher Titel:
Essential Killing
Produktionsjahr:
2010
Dauer:
01:23:00
Festivalausgabe:
2016, 2011
Regie
Jerzy Skolimowski
Drehbuch
Ewa Piaskowska, Jerzy Skolimowski
Kamera
Adam Sikora
Darsteller
David L. Price, Stig Frode Henriksen, Zach Cohen, Iftach Ophir, Vincent Gallo, Emmanuelle Seigner, Phillip Goss
Musik
Paweł Mykietyn