Jack Strong

Ist die Quadratur des Kreises möglich? Oder anders formuliert: Kann man einen Agentenfilm drehen, der weder in Klischees versinkt noch in eine realitätsferne Effekt-Orgie á la James Bond ausartet oder langweilt? Pasikowski (bekannt u.a. durch Pokłosie / Nachlese) gibt mit Jack Strong die eindeutige Antwort: Man kann. Und das sogar großartig und auf einer wahren Geschichte beruhend. Es ist die von Oberst Ryszard Kukliński, der sich nicht nur in der volkspolnischen Armee in die obersten Kreise hocharbeitete, sondern nebenher auch als Informant „Jack Strong“ über 40.00 Seiten Material an die CIA durchsickern ließ.
Pasikowski spart zwar die Dramatik eines Agenten-Doppellebens nicht aus und liefert mit Verdächtigungen, Spionagetechnik, Schreckmomenten und sogar einer waschechten Verfolgungsjagd das klassische Arsenal eines Agentenfilms. Aber er zeichnet die Figur Kukliński vor allem als Menschen – als Vater, Ehemann und moralisch denkenden Mann, dem es unmöglich ist, allen gegenüber loyal zu sein. Dabei stellt er latent die – bis heute heiß diskutierte – Frage, ob Kukliński Held oder Verräter war. Immerhin wurde dieser, schon im amerikanischen Exil, 1984 zum Tode verurteilt und es dauerte bis 1997, bis das Urteil wieder aufgehoben wurde.
 
Egal, wie der Film die Frage letztendlich beantwortet: Er zeigt vor allem, dass in Polen richtig gutes Genrekino entsteht, das handwerklich sauber gemacht ist, einen breiten Zuschauerkreis mitnimmt, ohne den anspruchsvollen Zuschauer zu unterfordern. Und das soll Pasikowski erst einmal jemand nachmachen.
 
K: Magdalena Górka

S: Jarosław Kaminski

Weitere Darsteller: Patrick Wilson, Dimitri Bilov, Dagmara Dominczyk, Oleg Maslennikov, u.a.


Kategorie:
Neues Polnisches Kino
Polnischer Titel:
Jack Strong
Deutscher Titel:
Jack Strong
Produktionsjahr:
2014
Dauer:
02:08:00
Regie
Władysław Pasikowski
Drehbuch
Władysław Pasikowski
Darsteller
Maja Ostaszewska, Marcin Dorociński, Krzysztof Pieczyński
Musik
Jan Duszyński